Kluse
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> Jan sien Jan
Rundgang durch Steinbild....

Jan sien Jan hiefien Klafien. Sie wohnten am Ortseingang, wo später Honigfort wohnte.
Lehrer Honigfort kauft das Haus vom Gutsherrn von Dinklage. Er wurde 1918 in der
Grippezeit Witwer. Seine Frau und zwei Kinder starben. 1930 heiratete er ein zweites
Mal.
Wesseln waren Heuermann auf Gut Campe. Das war eine kinderreiche Familie! Von
neun Kindern wurden drei Tôchter Ordensschwestern. Die Familie bekam später
einen Hof an der Strafie von Kluse nach Wippingen.
Thoien war Heuermann bei Schulte-Pieper in Ahlen. Danach wohnte dort die Familie
Thieben. Thoien Vater hat oft bei uns Hausschlachtungen gemacht.
Vater Kamp war Schmiedemeister und Landwirt. Er starb früh und hinterlieB Frau und
sieben Kinder. Zwei Kinder wanderten in die USA aus. Dort wohnte ein Bruder der
Mutter, der dort Pater war.
Felthus verwalteten die Molkerei. Danach hies der Verwalter Kampling. Der machte
sich nach Aufgabe der Molkerei in Lehe selbständig.
Luks sien Lena hiefi auch Klafien. Sie wohnte in dem Haus, in dem nachher Kriifiel
wohnten. Sie wusch die Kirchenwäsche, reinigte die Kirche und stärkte die Kragen
der Männerhemden. So wurde sie auch "Stiefel Lena" genannt. So allein wie sie lebte,
starb sie auch. Mein Vater hat sie tot aufgefunden. Sie saB in ihrem Lehstuhî.
Backer (Albers. Johann Heinrich) wohnte uns gegenuber in der Ortsmitte. Er hatte
einen kleinen Laden fur den Bedarf des täglichen Lebens. Da er nicht hôren und sehen
konnte, sind wir Kinder oft mit ihm auf die Dörfer gewesen, wenn er Ware verkaufte.
Seine Haushälterin war Grete Kley aus Ahlen. Wilhelm Albers erbte den Laden von
seinem Onkel. Wilhelm war einer der wenigen Albers, die nicht nach USA gingen.
Neben Albers, wo nachher Brummers wohnten, lebten früher Korfage. Da der Vater Lehrer war, wurden sie Mester's genannt. Die Geschwister hießen Wilm und Anna. Wilm war viele Jahre zur See gefahren. Er konnte gut erzählen und gut singen. Meine Brüder gingen im Winter gern zu ihm zum "Ohmprott" nach dem Füttern. Anna nähte gern und machte auch Stärkewäsche. Bei den Männern war es ja Mode, gestärkte Kragen zu den Hemden zu tragen. Plagen Lena war Schneiderin. Sie hatte ein kleines Haus auf dem Grundstück von Korfage.
Von Lintel war Uhrmacher und hatte auch eine Landwirtschaft. Er starb früh (1918) und gerade zu der Zeit, als mein jüngster Bruder Gerhard geboren wurde und Vater uns deswegen zu Lintels gebracht hatte. Die Witwe heiratete Johann Thieke aus Ahlen, der dann nur noch Landwirt war.
Schwenken hießen später Veenker. Der war Postbote in Großwolderfeen gewesen, bevor er in unser Dorf kam. Veenker's sammelten die Milchkannen ein und fuhren sie zur Molkerei.
Anton Moormann heiratete spät Gesina Eden und blieb kinderlos. Er war von Beruf Wagenbauer. Er nahm seinen Neffen Anton zu sich, der jedoch als Soldat fiel. Dann kam dessen Bruder Bernd Schmitz dorthin. Die Familie siedelte nach Neuland aus. Honigfort wohnte im Schulhaus, bis er das Haus von Gut Campe kaufte. Seine Tochter Angela war meine Spielfreundin; ihr Bruder Clemens war krank und starb jung an Jahren. Als die jüngste Schwester Annegret geboren wurde, habe ich den Winter über dort im Haushalt ausgeholfen.
Schneiderin Bina Albers (danach Haake) baute an der Straße nach Ahlen ein Haus. Sie wohnte vorher uns gegenüber im Haus von Tante Minna zusammen mit Fräulein Pohlmann, die auch Schneiderin war.
Bauer Wilken's Gehöft stand auch in der Mitte des Dorfes. Die Schweineweide grenzte an unseren Garten. Wilken-Harren siedelten aus. Haus und Hof kaufte Cordes, auch unser Haus und Anwesen, als mein Bruder nach Neuland aussiedelte.
Sievering wurde auf plattdeutsch "Heyn" genannt. Das Wohnhaus liegt hinter der Brückenböschung. Im "Beel" von Sievering wurde Schützenfest gefeiert. Die Fronleichnamsprozession führte auch durch einen Teil des Beels (Niederung an der Ems). Die Brüder Georg und Wilhelm fielen im Krieg. Im Beel sammelten wir jedes Jahr Maikäfer. Dann ist da - zur Ems hin - die alte Villa, in der die alten Leute Terver wohnten. Lehrer Remmers kaufte dieses Haus von Sievering für den Sohn Josef. Später hat Studienrätin Käthe Remmers die Villa als Jugendstätte an den Don-Bosco-Verein übereignet. Daneben wohnten Husmann-Dreier. Die Söhne Karl und Hubert musizierten gern. Karl wurde Friseur und hatte etliche Jahre ein kleines Geschäft, bis er wegzog. Hubert war bis ins hohe Alter viele Jahre Küster und Organist, daneben hatte er auch noch die Poststelle.
Albers wohnten unmittelbar an der Ems. Von Albers sind Heinrich, Hermann, Thekla, Angela und Anni nach USA ausgewandert. Ihr Onkel Bernhard war in Amerika Prälat; seine Schwester bei ihm Haushälterin. Beide gaben jeweils Starthilfe in der Neuen Welt. Albers hatten Gast- und Landwirtschaft.
Gansefort war Backer's Bur! Dort konnte man alles kaufen, was im Dorf gebraucht wurde, vom Brot bis zum Herd. Gansefort war Vater's Vetter. Im Winter kam er ab und zu abends zum Gespräch.
Brummers wohnten, bevor sie in das Haus von Korfage zogen, im alten Küsterhaus. Sie hatte vor Husmann die Post und waren Küster. Sie bewirtschafteten auch noch die Ländereien der Kirchengemeinde, die später an die Bauern verpachtet wurden. Herr Brummer starb schon mit Anfang 50 an Leukämie. Sie pflegten die alten Geschwister Korfage, die beide über 80 wurden. Brummers hatten keine Kinder. Hermann, der dann bei Frau Brummer lebte, war Adoptivsohn.
Auf dem Weg zur Kirche kommt man am Haus von Deimann, vormals Pieper, vorbei. Deimann war Holländer. Das Eghepaar hatte keine Kinder. So kam der Neffe Heinrich Kemp dorthin. Der wurde im Krieg vermißt. Nun heißen die Leute Hertel. Das alte Fachwerkhaus ist ordentlich aufgearbeitet.
Alfers vormals Leffers ist das das Geburts- und Stammhaus der Bekeidungsfirma Gebr. Leffers. Der Name Leffers steht noch in der Giebelwand
Das frühere Haus Funke hatte Klaßen erworben und darin ein Lebensmittelgeschäft aufgemacht. Eine Tochter von Funke war die Mutter von Bernd Rosemeier. Danach wohnte in dem Haus die Familie des Bahnbeamten Tholen, bevor es auch Cordes kaufte. Cordes kam aus Ostfriesland an die Ems. Er hat ganz klein mit seiner Klempnerfirma angefangen: Werkstatt auf der Diele der Lehrerwohnung und als Wohnung ein Zimmer bei Bina Albers.
Sievers hatten ein Manufakturgeschäft und eine Gastwirtschaft. Eine Tochter heiratete Bauer Sievering.
Der Schneider Gerhard Schomaker war ein Meister seines Fachs. Seine Frau Auguste war die Hebamme. Kinder hatten sie keine. In meiner Schulzeit war die Nichte Maria Brinkmann da, dann kam Grete Eikens dorthin und heiratete Herrn Rolfs, der auch ein guter Schneider war und nur mit einem Bein aus dem Krieg zurückkehrte. Daneben wohnten die Geschwister Hermann und Thekla Nee. Hermann kam als Invalide aus dem Krieg zurück.
Das Schwesternhaus wurde der Kirche von Fräulein Kampling-Terfer (Tante Minna) geschenkt. Daraufhin kamen drei Schwestern aus dem Mauritzkloster in Münster/Westf zu uns. Zu Tante Minna gingen wir Kinder gern, wenn die Eltern auf dem Feld arbeiteten und wir dann allein im Bauernhaus hätten bleiben müssen. Die Schwestern waren ein Segen für die Ortschaften. Sie hielten manche Nachtwache und waren in der Stunde des Todes zur Stelle. In meiner Schulzeit war auch eine Schwester als Handarbeitsschwester eingesetzt und hatte auch einen Unterrichtsraum in der Nähstube, wo später Frl. Pohlmann arbeitete.
Damit ist der Rundgang meiner Tante durch Steinbild beendet. Sie hat die vorstehenden Notizen im April/Mai 1982 gemacht, zwei Jahre vor ihrem Tod. Fehler in der Schreibweise oder Sache sind unwahrscheinlich, aber nicht ausgeschlossen.
Aufgezeichnet von Gerhard Gerdes, Berlin.
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